Die Weinlese 2026 ist vorbei, zumindest im Weinberg. Im Keller dagegen ist noch einiges in Bewegung und während wir diese Zeilen schreiben, muss unser Cabernet noch die allerletzten Gramm Zucker pro Liter vergären. Ja, die Gärungen waren dieses Jahr also seeeehr lang.
Die Lese begann sehr früh, nach einem der heißesten Sommer, an die wir uns erinnern können. Zum Glück kam die Hitze aber zusammen mit ausreichenden Niederschlägen zu den richtigen Zeitpunkten, und das hat einen großen Unterschied gemacht. Die Reben kamen gut durch den Sommer, die Trauben blieben gesund und zum Zeitpunkt der Lese war ihr phytosanitärer Zustand wirklich ausgezeichnet. Das war wahrscheinlich das Erste, was uns aufgefallen ist: schöne Trauben, sauberes Lesegut, gesunde Schalen und vor allem sehr viel Zucker.

Ein besonders reifer Sangiovese
Das galt vor allem für den Sangiovese. In einigen Weinbergen haben wir potenzielle Alkoholwerte von deutlich über 15 % gemessen. Das gibt einen guten Eindruck davon, wie weit die Reife in diesem Jahr fortgeschritten war.
Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Weine am Ende 15 % Alkohol haben werden. Der potenzielle Alkohol ist nur einer von vielen Werten, die wir beobachten, und wie immer beginnt der wirklich interessante Teil erst danach. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, diese ganze Reife und Konzentration in Weine zu überführen, die trotzdem Balance, Frische und Trinkfluss behalten.
In dieser Phase möchten wir noch keine großen Aussagen über den Jahrgang machen. Direkt nach der Lese ist die Versuchung immer groß, einen Jahrgang sofort als groß, schwierig, kraftvoll oder elegant zu bezeichnen. Wir warten lieber ab. September und Oktober sind nicht unbedingt die besten Monate, um wirklich zu verstehen, was aus den Weinen werden wird.

Sehr, sehr lange Gärungen
Bei so viel Zucker in den Trauben wussten wir von Anfang an, dass die Gärungen etwas länger dauern könnten als sonst. Genau so ist es gekommen.
Die meisten Weine haben ihre Gärung inzwischen beendet, aber noch nicht alle. Während wir diesen Artikel schreiben, arbeitet der Cabernet noch langsam an den letzten Gramm Zucker pro Liter. Nichts Dramatisches, einfach eine Frage der Geduld.
Es ist interessant, wie klar die Weinlese im Weinberg endet. Es gibt eine letzte Traube, eine letzte Kiste, einen letzten Anhänger, der zurückkommt. Im Keller dagegen gibt es keine so eindeutige Ziellinie. Die Trauben wurden vor Wochen gelesen, aber der Jahrgang 2026 ist in den Tanks noch immer sehr lebendig.
Die Menschen hinter der Weinlese
Und dann sind da natürlich die Menschen.
Die Weinlese ist einer der intensivsten Momente des Jahres, aber auch einer der schönsten. Da ist unsere Familie, da sind die Menschen, die das ganze Jahr über mit uns arbeiten, und dann die Frauen und Männer, die während der Lese zu uns kommen und mithelfen.
Einige waren dieses Jahr zum ersten Mal dabei, andere kommen inzwischen seit mehr als zehn Jahren immer wieder zurück. Sie einfach nur als „Helfer“ zu bezeichnen, trifft es inzwischen eigentlich nicht mehr. Sie gehören längst ein Stück weit zur Familie.
Es sind lange Tage, müde Rücken, schmutzige Schuhe, viel Essen, viele Scherze und am Ende wird irgendwie doch alles geschafft. Deshalb gilt unser erster wirklicher Dank ihnen allen, noch bevor wir zu viel über die Qualität der Trauben oder unsere Erwartungen an die Weine sprechen.

Die ersten Trauben vom neuen Guerrino
In diesem Jahr gab es außerdem eine winzige Lese, die für uns eine besondere Bedeutung hatte: die ersten Trauben aus dem neu bepflanzten Weinberg Il Guerrino.
Die Reben sind erst drei Jahre alt, deshalb sprechen wir wirklich nur von sehr wenigen Trauben. Mengenmäßig ist das noch nichts Bedeutendes, und die Trauben werden ganz normal in unseren Chianti Classico eingehen. Trotzdem war es schön, nach der Neupflanzung wieder Trauben an diesen Reihen zu sehen.
Die letzte Lese aus dem alten Guerrino-Weinberg war 2022. Damals, bevor die alten Reben gerodet wurden, entschieden wir uns, diese Trauben separat zu halten und einzeln zu vinifizieren. Aus dieser sehr kleinen Menge entstand Il Guerrino 2022, unser Wein aus einer Einzellage und aus der letzten Ernte des alten Weinbergs.
Jetzt beginnen wir wieder bei null: junge Reben, sehr wenig Ertrag und viele Jahre vor uns. Vielleicht wird Guerrino eines Tages wieder genug eigenen Charakter haben, um erneut als Einzellagenwein ausgebaut zu werden. Vielleicht auch nicht. Im Moment freuen wir uns einfach darüber, den Weinberg wieder wachsen zu sehen und diese ersten Trauben geerntet zu haben.

Und wie ist 2026 nun?
Die einfachste Antwort lautet: Es ist noch zu früh, das zu sagen.
Was wir wissen, ist, dass die Trauben in ausgezeichnetem Zustand bei uns angekommen sind, dass der Sangiovese sehr reif und konzentriert war und dass die Gärungen uns viel Geduld abverlangt haben. In den kommenden Monaten werden die Weine uns nach und nach deutlicher zeigen, was für ein Jahrgang 2026 wirklich ist.
Bis dahin probieren wir, warten ab und lassen die Weine ihre Arbeit machen.




